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Kolumne: “Personenbeförderung im Wandel“

“Personenbeförderung im Wandel“

Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen!

Hier wird ab dem 15.09 2018 eine regelmäßige Kolumne erscheinen, die sich mit dem Wandel im Personenbeförderungsgewerbe befassen wird.
Ziel dieser Kolumne wird es sein, diesen Wandel aus der Sicht eines Taxifahrers zu beleuchten.

Wir konnten einen langjährigen Nachtfahrer dazu bewegen uns seine Sicht zu schildern. Die meisten der Nachtfahrer und viele Tagfahrer kennen ihn und haben ihn geschätzt.

Diese Kolumne wird von keinem anderen geschrieben, als von dem ehemaligen Kollegen Jack Boettcher, Jack kann auf 26 Jahre Nachtdienst zurückgreifen und hat – so glauben wir – einen reichhaltigen Erfahrungsschatz.

Auch wird er hin und wieder Gäste einladen und ihnen Gelegenheit geben, ihre Sicht darzustellen.

Wir freuen uns auf die erste Ausgabe –  Dann also bis zum 15. September!

MiniCar Kassel zeigt Kasseler Taxi-FahrerInnen wegen illegalem Bereithalten an!

Rathaus-Webseite
ES REICHT!!!

Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen der SCM GmbH (MiniCar Kassel), als sie Taxen die sich illegal vor Diskotheken bereit hielten aufschrieben und anschließend beim Ordnungsamt meldeten.

Laut Aussage der Geschäftführung der SCM GmbH handelt es sich hierbei um eine Reaktion auf die einseitige Ahndung der Verletzung der Rückkehrpflicht von MiniCar-FahrerInnen, durch die Kasseler Ordnungsbehörde. So seien beispielsweise zur Karnevalszeit, vor dem „Düsseldorfer Hof“ nur Ordnungswidrigkeiten von MiniCar-FahrerInnen wegen illegalem Bereithalten geahndet worden, obwohl sich dort TaxifahrerInnen – in langer Schlange aufgereiht – ebenfalls nicht an die Spielregeln gehalten hätten.

Es heißt sogar: Das Ordnungsamt habe seit einiger Zeit extra zwei Beamte dafür abgestellt, um ausnahmslos Verletzungen gegen die Rückkehrpflicht von MiniCar-FahrerInnen zu ahnden. Dabei hätten die Ordnungshüter sich regelrechte Verfolgungsfahrten mit MiniCar-FahrerInnen geliefert. Es soll zu einer Flut von Anzeigen gekommen sein.

Das wollte die Geschäftsführung der SCM GmbH so nicht mehr hinnehmen und hat nun darauf entsprechend reagiert. Sie hat ihrerseits Anzeigen gegen Taxi-FahrerInnen, die ebenfalls fortwährend – vor den Kasseler Diskotheken – gegen die Rückkehrpflicht verstoßen, zur Ahndung bei der Kasseler Ordnungsbehörde eingereicht.

Taxi-Kolleginnen und Kollegen die der Meinung sind, dass es sich dabei nur um eine Lappalie handelt und sie deswegen nicht belangt werden können, sei gesagt: Die Verantwortlichen der SCM GmbH werden unbedingt auf einer Ahndung, der von ihnen dokumentierten Ordnungswidrigkeiten, bestehen. Dafür sind sie bereit alle Register ziehen!

Fr-Erbert-Strasse

Liebe Kolleginnen und Kollegen Taxifahrerinnen und Taxifahrer!

Die IG der Kutscherinnen und Kutscher hat wiederholt darauf hingewiesen, dass so etwas irgendwann passieren kann. Denn es ist nun einmal so, dass z. B. vor den Diskotheken – egal wir besch… diese dort angeordnet sind – nur eine begrenzte Anzahl legaler Halteplätze zur Verfügung stehen. Jedes Taxi das dort zuviel steht, verstößt ebenfalls gegen die „Rückkehrpflicht“. Nämlich der Rückkehr auf einen ausgewiesenen, regulären Halteplatz an dem die angegebene Kapazität von Taxen, durch einen Halt dort, nicht überschritten wird.

Über die Probleme mit den Halteplätzen, wird unsere IG der Kutscherinnen und Kutscher auch weiter mit Vertretern der Stadt reden (verhandeln) müssen.

IG: Treffen mit den Verantwortlichen der SCM GmbH

Nach den Sommerferien ist außerdem ein Treffen mit den Verantwortlichen der SCM GmbH geplant. Die Bereitschaft zu einem Gespräch wurde uns bereits signalisiert. Vielleicht ist ja auch eine „friedliche“ Beilegung bzw. Entkrampfung des Konfliktes möglich.

Fakt ist, dass dieser Konflikt derzeit auf Kosten der FahrerInnen (MiniCar wie Taxi) geführt wird. Und dies in einer Zeit, wo die Umsätze immer weiter sinken. Das ganze Gewerbe braucht unbedingt einen innovativen Schub. Allein mit der Beförderung von Personen ob gesund oder krank, ob alt oder jung und ein paar Gegenständen wird das Gewerbe nicht überleben. Die Einführung von Rollstuhlfahrten war eine solche. Aber das reicht bei weitem nicht aus, um das Gewerbe zu retten und wieder rentabel zu machen. Das Gewerbe muss sich neu aufstellen und entsprechen umgebaut werden.

Da sind vor allem die UnternehmerInnen gefragt! Es reicht einfach nicht aus, am Ende der Schicht die Hand aufzuhalten und die wieder mal schlechten Umsätze zu beklagen.

Und! Liebe Kolleginnen und Kollegen TaxifahrerInnen!

Habt Ihr Euch schon mal gefragt was passieren wird, wenn die MiniCars im „Kampf“ besiegt wurden? Wobei wir, die IG der Kutscherinnen und Kutscher, einen solchen „Sieg“ nicht für möglich halten. Aber, mal angenommen! Wo werden wir die arbeitslos gewordenen FahrerInnen wiedersehen? Alle FahrerInnen z. B. der Kasseler MiniCar haben einen Personenbeförderungsschein mit Ortkenntnisprüfung. Unsere Chefs jedenfalls dürfte es freuen. Endlich ein Pool von FahrerInnen, aus dem sie sich die Besten aussuchen und noch ein wenig mehr Leistungsdruck auf uns ausüben können.

NEIN! „Kampf“ gegeneinander stellt nicht die Lösung unserer dringendsten Probleme dar. Die IG wird nach der Sommerpause, Gespräche mit unseren „Gegnern“, zuerst mit der Geschäftsführung der SCM GmbH aufnehmen und sondieren ob friedliche Lösungsansätze denkbar sind.

Solange liebe Taxi–Kolleginnen und Kollegen seit wachsam. Meidet bereits überbelegte Halteplätze. Ihr könnt uns gerne auch Anregungen zukommen lassen, an Taxi-Schildwelchen Halteplätzen Handlungsbedarf besteht. Denn die Halteplatzsituation in Kassel bleibt auch weiterhin eines unserer Schwerpunktthemen. Und wir werden sicher bald Gelegenheit haben, diese mit VertreterInnen der Stadt zu erörtern. … (MA)

Gründungsveranstaltung der IG der Kutscherinnen und Kutscher!

Am Dienstag, den 28. Oktober hat sich die Interessensgemeinschaft (IG) der Kutscherinnen und Kutscher gegründet. Sie versteht sich als Interessensvertretung aller Taxi- und MietwagenfahrerInnen in Kassel und Umland.

“ Die Interessensgemeinschaft der Kutscherinnen und Kutscher ist eine Organisation, die sich allein den Interessen der im Taxi- und Mietwagengewerbe beschäftigten Kolleginnen und Kollegen verpflichtet fühlt. In ihr schließen sich erstmals TaxikollegInnnen und MietwagenkollegInnen, die sonst eher für ihre Gegnerschaft zu einander bekannt sind, zusammen. Denn es gibt in der Tat mehr Verbindendes als Trennendes. Wir arbeiten unter sehr ähnlichen, wenig zufriedenstellenden Bedingungen. … Es ist an der Zeit, weiter in die Zukunft zu blicken. Unser Kleinkampf – Jede/r gegen jede/n, Unternehmen gegen Unternehmen und Taxigewerbe gegen Mietwagen – gehört auf den Müll. … Was wir brauchen ist eine Organisation die über den Tellerrand hinaus blickt. Die unsere Interessen als abhängig Beschäftigte im Blick hat. Eine Organisation, die sich mit anderen überregionalen Initiativen von Kutscherinnen und Kutscher vernetzt, um endlich unüberhörbar unsere Interessen aus unseren Kutschen heraus, rein in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion bringt. … “ (Vorwort zur Satzung der IG)

Beide Veranstaltungen zur Gründung – eine für die KollegInnen der Tagschicht und eine für jene der Nachtschicht – waren gut besucht. Dabei zeichnete sich ab, dass die Arbeitsunzufriedenheit und die Zukunftsängste der Kolleginnen und Kollegen einen Grad erreicht haben, der keinen Aufschub mehr duldet und zu sofortigem Handeln zwingt.

Festgestellt wurde, dass die Konkurrenz Taxi gegen Mietwagen bei weitem nicht das größte Problem darstellt. Seit Jahren nehmen die Fahrgastzahlen ab. Die Straßenbahnen fahren in alle Richtungen auf das Umland. Extra-Busse bringen Fahrgäste vom ICE-Bahnhof direkt zu den Flughäfen in Paderborn und Calden. Auch die Kasseler selbst nutzten heute häufiger die KVG, statt wie früher auf Taxen und Mietwagen zurückzugreifen. Auch die Zahl der Kasseler, die sich von einem Bekannten oder Familienmitglied – zum Beispiel vom ICE-Bahnhof – abholen lassen, steigt ständig. Damit nicht genug, nutzen immer weniger potenzielle Kunden Taxen und Mietwagen, für Dienstleistung wie Essensfahrten (Besorgungsfahrten) etc. Die Gaststätten in der Kasseler Innenstadt sind – aufgrund der wirtschaftlich immer noch angespannten Lage und der Folgen für die Geldbörse des „kleinen Mannes“ – in der Woche oft wie leergefegt.

Thema war auch die Unsicherheit, die sich aus der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes – in mindest einem größeren Unternehmen wurde bereits allen Beschäftigten zum Ende des Jahres gekündigt – für das Fahrpersonal ergibt. Ebenso sehen die KollegInnen ihre Existenz durch das Auftauchen sogenannter Taxi-Apps, wie beispielweise Uber, bedroht. Krankenkassen, städtische Behörden und Ämter wurden wegen ihrer Vergabepraxis von Festfahrten äußerst heftig kritisiert. Diese legten in der Regel kaum Wert auf eine qualifizierte, sichere Beförderung und suchten stattdessen nach den billigsten Anbietern. Die IG wird deshalb die Einführung und Umsetzung des gesetzlichen Mindestlohnes kritisch begleiten, sich gegen die Taxi-Apps in geeigneter Art und Weise zur Wehr setzen und ein Umdenken bei Ämtern und Behörden einfordern.

Die Mitglieder der Interessensgemeinschaft (IG) der Kutscherinnen und Kutscher wollen nicht darauf warten, dass ihr Gewerbe zugrunde geht und damit ihre Existenzgrundlage in Frage gestellt wird. „Wir haben es satt darauf zu warten, dass Andere – städtische Behörden, Unternehmen und Politiker – endlich aktiver werden.“ In letzter Konsequenz sind es die Kolleginnen und Kollegen, die am Ende die Folgen dieser Fehlentwicklungen zu tragen haben.

Das Gewerbe muss erhalten bleiben und die Existenz der dort Beschäftigten langfristig gesichert werden. Auch müssen neue Einsatzmöglichkeiten von Taxen- und Mietwagen gefunden, der Taxen und Mietwageneinsatz neu definiert werden. So gab es beispielweise vor einigen Jahren keine Rollstuhltaxis. Heute sind diese Teil des Stadtbildes.

Große und viele kleine Probleme – wie zum Beispiel die Zugänglichkeit zu den Ärztinnen und Ärzten in der Kasseler Innenstadt – erschweren zudem eine gute Serviceleistung des Taxen- und Mietwagengewerbes. Die Verbesserung des Service für die Kundschaft, gehört deshalb ebenfalls zu den Zielen der IG. Es sind die FahrerInnen die sich die Klagen gehbehinderter, kranker und alter Menschen anhören müssen, wenn diese mehrere hundert Meter zum Taxi oder Mietwagen laufen oder wieder einmal länger warten mussten, weil die Anfahrt zu den Arztpraxen in der Kassler Innenstadt höchst problematisch ist.

Eine der ersten Initiativen der IG geht denn auch in diese Richtung. Die IG der Kutscherinnen und Kutscher wird sich in nächster Zeit mit allen in der Kasseler Innenstadt ansässigen Ärztinnen und Ärzten in Verbindung setzen. Geplant ist eine Unterschriftensammlung unter den betroffenen Patienten. Die Kolleginnen und Kollegen wollen selbstverständlich keinen Freifahrtsschein – rund um die Uhr – in der innerstädtischen Fußgängerzone. Aber zu den Sprechzeiten der dortigen Praxen sollten Möglichkeiten gefunden werden, diese besser anfahren und ohne die Gefahr eines Bußgeldes bedienen zu können.

Selbst kleinen Problemen nimmt sich die IG der Kutscherinnen und Kutscher an. Warum eigentlich müssen Kolleginnen und Kollegen für die Toilettenbenutzung am ICE-Bahnhof zahlen, wo sie doch indirekt eine Serviceleistung für die deutsche Bahn erbringen?

Die IG der Kutscherinnen und Kutscher hat sich viel vorgenommen. Am 28. Oktober haben wir den ersten Schritt getan und uns gegründet. Sicher ist schon jetzt, dass wir in der Zukunft öfter von uns hören lassen werden. Uns geht es nicht nur darum, allein egoistisch, für unsere Interessen einzutreten. Wir wollen solidarisch, mit Blick über den Tellerrand, das Zusammenspiel aller auf uns angewiesenen Kunden, Ämtern, Behörden, Vereinen, Organisationen und Unternehmen, das Leben in Kassel bezüglich der Personenbeförderung ein wenig besser machen.

E-Mail: IG-Kutsche [at] gmx [dot] de
Facebook: https://www.facebook.com/igkutsche