Schlagwort-Archive: Gründung der IG der Kutscherinnen und Kutscher

Gründungsveranstaltung der IG der Kutscherinnen und Kutscher!

Am Dienstag, den 28. Oktober hat sich die Interessensgemeinschaft (IG) der Kutscherinnen und Kutscher gegründet. Sie versteht sich als Interessensvertretung aller Taxi- und MietwagenfahrerInnen in Kassel und Umland.

“ Die Interessensgemeinschaft der Kutscherinnen und Kutscher ist eine Organisation, die sich allein den Interessen der im Taxi- und Mietwagengewerbe beschäftigten Kolleginnen und Kollegen verpflichtet fühlt. In ihr schließen sich erstmals TaxikollegInnnen und MietwagenkollegInnen, die sonst eher für ihre Gegnerschaft zu einander bekannt sind, zusammen. Denn es gibt in der Tat mehr Verbindendes als Trennendes. Wir arbeiten unter sehr ähnlichen, wenig zufriedenstellenden Bedingungen. … Es ist an der Zeit, weiter in die Zukunft zu blicken. Unser Kleinkampf – Jede/r gegen jede/n, Unternehmen gegen Unternehmen und Taxigewerbe gegen Mietwagen – gehört auf den Müll. … Was wir brauchen ist eine Organisation die über den Tellerrand hinaus blickt. Die unsere Interessen als abhängig Beschäftigte im Blick hat. Eine Organisation, die sich mit anderen überregionalen Initiativen von Kutscherinnen und Kutscher vernetzt, um endlich unüberhörbar unsere Interessen aus unseren Kutschen heraus, rein in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion bringt. … “ (Vorwort zur Satzung der IG)

Beide Veranstaltungen zur Gründung – eine für die KollegInnen der Tagschicht und eine für jene der Nachtschicht – waren gut besucht. Dabei zeichnete sich ab, dass die Arbeitsunzufriedenheit und die Zukunftsängste der Kolleginnen und Kollegen einen Grad erreicht haben, der keinen Aufschub mehr duldet und zu sofortigem Handeln zwingt.

Festgestellt wurde, dass die Konkurrenz Taxi gegen Mietwagen bei weitem nicht das größte Problem darstellt. Seit Jahren nehmen die Fahrgastzahlen ab. Die Straßenbahnen fahren in alle Richtungen auf das Umland. Extra-Busse bringen Fahrgäste vom ICE-Bahnhof direkt zu den Flughäfen in Paderborn und Calden. Auch die Kasseler selbst nutzten heute häufiger die KVG, statt wie früher auf Taxen und Mietwagen zurückzugreifen. Auch die Zahl der Kasseler, die sich von einem Bekannten oder Familienmitglied – zum Beispiel vom ICE-Bahnhof – abholen lassen, steigt ständig. Damit nicht genug, nutzen immer weniger potenzielle Kunden Taxen und Mietwagen, für Dienstleistung wie Essensfahrten (Besorgungsfahrten) etc. Die Gaststätten in der Kasseler Innenstadt sind – aufgrund der wirtschaftlich immer noch angespannten Lage und der Folgen für die Geldbörse des „kleinen Mannes“ – in der Woche oft wie leergefegt.

Thema war auch die Unsicherheit, die sich aus der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes – in mindest einem größeren Unternehmen wurde bereits allen Beschäftigten zum Ende des Jahres gekündigt – für das Fahrpersonal ergibt. Ebenso sehen die KollegInnen ihre Existenz durch das Auftauchen sogenannter Taxi-Apps, wie beispielweise Uber, bedroht. Krankenkassen, städtische Behörden und Ämter wurden wegen ihrer Vergabepraxis von Festfahrten äußerst heftig kritisiert. Diese legten in der Regel kaum Wert auf eine qualifizierte, sichere Beförderung und suchten stattdessen nach den billigsten Anbietern. Die IG wird deshalb die Einführung und Umsetzung des gesetzlichen Mindestlohnes kritisch begleiten, sich gegen die Taxi-Apps in geeigneter Art und Weise zur Wehr setzen und ein Umdenken bei Ämtern und Behörden einfordern.

Die Mitglieder der Interessensgemeinschaft (IG) der Kutscherinnen und Kutscher wollen nicht darauf warten, dass ihr Gewerbe zugrunde geht und damit ihre Existenzgrundlage in Frage gestellt wird. „Wir haben es satt darauf zu warten, dass Andere – städtische Behörden, Unternehmen und Politiker – endlich aktiver werden.“ In letzter Konsequenz sind es die Kolleginnen und Kollegen, die am Ende die Folgen dieser Fehlentwicklungen zu tragen haben.

Das Gewerbe muss erhalten bleiben und die Existenz der dort Beschäftigten langfristig gesichert werden. Auch müssen neue Einsatzmöglichkeiten von Taxen- und Mietwagen gefunden, der Taxen und Mietwageneinsatz neu definiert werden. So gab es beispielweise vor einigen Jahren keine Rollstuhltaxis. Heute sind diese Teil des Stadtbildes.

Große und viele kleine Probleme – wie zum Beispiel die Zugänglichkeit zu den Ärztinnen und Ärzten in der Kasseler Innenstadt – erschweren zudem eine gute Serviceleistung des Taxen- und Mietwagengewerbes. Die Verbesserung des Service für die Kundschaft, gehört deshalb ebenfalls zu den Zielen der IG. Es sind die FahrerInnen die sich die Klagen gehbehinderter, kranker und alter Menschen anhören müssen, wenn diese mehrere hundert Meter zum Taxi oder Mietwagen laufen oder wieder einmal länger warten mussten, weil die Anfahrt zu den Arztpraxen in der Kassler Innenstadt höchst problematisch ist.

Eine der ersten Initiativen der IG geht denn auch in diese Richtung. Die IG der Kutscherinnen und Kutscher wird sich in nächster Zeit mit allen in der Kasseler Innenstadt ansässigen Ärztinnen und Ärzten in Verbindung setzen. Geplant ist eine Unterschriftensammlung unter den betroffenen Patienten. Die Kolleginnen und Kollegen wollen selbstverständlich keinen Freifahrtsschein – rund um die Uhr – in der innerstädtischen Fußgängerzone. Aber zu den Sprechzeiten der dortigen Praxen sollten Möglichkeiten gefunden werden, diese besser anfahren und ohne die Gefahr eines Bußgeldes bedienen zu können.

Selbst kleinen Problemen nimmt sich die IG der Kutscherinnen und Kutscher an. Warum eigentlich müssen Kolleginnen und Kollegen für die Toilettenbenutzung am ICE-Bahnhof zahlen, wo sie doch indirekt eine Serviceleistung für die deutsche Bahn erbringen?

Die IG der Kutscherinnen und Kutscher hat sich viel vorgenommen. Am 28. Oktober haben wir den ersten Schritt getan und uns gegründet. Sicher ist schon jetzt, dass wir in der Zukunft öfter von uns hören lassen werden. Uns geht es nicht nur darum, allein egoistisch, für unsere Interessen einzutreten. Wir wollen solidarisch, mit Blick über den Tellerrand, das Zusammenspiel aller auf uns angewiesenen Kunden, Ämtern, Behörden, Vereinen, Organisationen und Unternehmen, das Leben in Kassel bezüglich der Personenbeförderung ein wenig besser machen.

E-Mail: IG-Kutsche [at] gmx [dot] de
Facebook: https://www.facebook.com/igkutsche